Wie du TLS sicher einstellst

Welche Protokolle und Cipher-Suites dein Server anbietet, entscheidet, wie gut eine HTTPS-Verbindung wirklich schützt. Eine aktuelle Einstellung ist kurz und passt zu allen heutigen Browsern.

So funktioniert es

Am Anfang jeder HTTPS-Verbindung steht der TLS-Handshake. Der Browser zählt auf, welche Protokollversionen und Cipher-Suites er kann, der Server wählt daraus. Eine Cipher-Suite legt fest, wie Browser und Server den Schlüssel aushandeln, womit sie verschlüsseln und wie sie prüfen, dass unterwegs nichts verändert wurde.

Bietet der Server alte Versionen oder schwache Suites mit an, kann ein Angreifer im selben Netz versuchen, die Verbindung auf genau diese herabzusetzen. Deshalb zählt nicht nur, was ein aktueller Browser bekommt, sondern alles, was der Server überhaupt annimmt.

Forward Secrecy heißt: Für jede Verbindung entsteht ein eigener, flüchtiger Schlüssel (ECDHE). Wer später den Schlüssel des Servers erbeutet, kann aufgezeichnete Verbindungen trotzdem nicht öffnen. Beim alten Schlüsseltausch über RSA geht das sehr wohl.

Post-Quanten-Schlüsseltausch schützt gegen „heute mitschneiden, später entschlüsseln“: Das hybride Verfahren X25519MLKEM768 verbindet das klassische X25519 mit ML-KEM, das auch künftigen Quantencomputern standhält. Chrome, Firefox, Safari und Edge bieten es von sich aus an.

Worauf es ankommt

  • Nur TLS 1.2 und TLS 1.3. TLS 1.0 und 1.1 sind seit 2021 offiziell veraltet (RFC 8996), SSL 2.0 und 3.0 seit Jahren gebrochen. Kein aktueller Browser braucht sie.
  • Keine unsicheren Suites. RC4, DES, 3DES, EXPORT-, NULL- und anonyme Suites gehören aus der Liste. Am besten bleiben nur Suites mit AES-GCM oder ChaCha20-Poly1305 und ECDHE.
  • Forward Secrecy für alle. Suites mit TLS_RSA_WITH_… handeln den Schlüssel ohne Forward Secrecy aus. Aktuelle Browser brauchen sie nicht.
  • Härtung ist meist schon da. Schutz vor Herabstufung (TLS_FALLBACK_SCSV), sichere Neuverhandlung und abgeschaltete Kompression bringen aktuelle TLS-Bibliotheken mit. Fehlen sie, ist die Software des Servers veraltet.
  • Post-Quanten-Gruppe vorn. Mit OpenSSL ab 3.5 (oder BoringSSL) kann der Server X25519MLKEM768; setz die Gruppe an den Anfang der Liste.
  • Hinter einem CDN endet die TLS-Verbindung beim CDN. Dann stellst du Protokolle und Suites dort ein, etwa im Dashboard von Cloudflare unter der minimalen TLS-Version.

So richtest du es ein

Die Zeilen folgen der Empfehlung „intermediate“ von Mozilla (SSL Configuration Generator). Sie passen zu allen Browsern der letzten Jahre.

Webserver
ssl_protocols TLSv1.2 TLSv1.3;
ssl_ecdh_curve X25519MLKEM768:X25519:prime256v1:secp384r1;
ssl_ciphers ECDHE-ECDSA-AES128-GCM-SHA256:ECDHE-RSA-AES128-GCM-SHA256:ECDHE-ECDSA-AES256-GCM-SHA384:ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384:ECDHE-ECDSA-CHACHA20-POLY1305:ECDHE-RSA-CHACHA20-POLY1305;
ssl_prefer_server_ciphers off;
ssl_session_tickets off;
SSLProtocol -all +TLSv1.2 +TLSv1.3
SSLOpenSSLConfCmd Groups X25519MLKEM768:X25519:prime256v1:secp384r1
SSLCipherSuite ECDHE-ECDSA-AES128-GCM-SHA256:ECDHE-RSA-AES128-GCM-SHA256:ECDHE-ECDSA-AES256-GCM-SHA384:ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384:ECDHE-ECDSA-CHACHA20-POLY1305:ECDHE-RSA-CHACHA20-POLY1305
SSLHonorCipherOrder off
SSLCompression off
SSLSessionTickets off

X25519MLKEM768 kennt erst OpenSSL 3.5. Mit einer älteren Version startet der Webserver mit dieser Gruppe nicht; lass sie dann weg, bis das System aktualisiert ist. Die Suites von TLS 1.3 stehen nicht in der Liste, sie sind immer sicher. Teste danach erneut, ob alte Clients, die du wirklich brauchst (etwa Zahlungsterminals oder alte Schnittstellen), noch verbinden.

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